Ageplay erklärt: Little, Caregiver und Little Space
Ageplay ist einvernehmliches Rollenspiel unter Erwachsenen. Was Little, Caregiver und Little Space bedeuten, und welche Irrtümer sich hartnäckig halten.
Was ist Ageplay?
Ageplay gilt als Teilbereich von BDSM. Erwachsene nehmen dabei eine Altersrolle an, die von ihrem tatsächlichen Alter abweicht. Die gespielte Person kann jünger, aber auch älter sein. Die US-amerikanische Forschungs- und Fortbildungsallianz TASHRA betont, dass Ageplay zwischen einwilligenden Erwachsenen im gesetzlichen Alter stattfindet.
Häufige Begriffe sind:
- Little: eine erwachsene Person in einer jüngeren Rolle
- Caregiver: eine fürsorgliche oder strukturgebende Gegenrolle
- CG/l: Caregiver/little, die geschlechtsneutrale Bezeichnung
- DD/lg: Daddy Dom/little girl
- MD/lb: Mommy Dom/little boy
Caregiver/Little kann mit einem Machtgefälle verbunden sein, muss es aber nicht. Ein Caregiver ist daher nicht automatisch dominant und eine Little nicht automatisch submissiv. Wie unterschiedlich Machtgefälle aussehen können, beschreiben wir in Die Ausprägungen von D/s.
Sexuell oder nichtsexuell
Ageplay kann erotisch oder sexuell sein, aber auch vollständig ohne sexuelle Handlungen stattfinden. TASHRA beschreibt, dass Ageplay „with or without play that is sexual in nature“ existieren kann. Im Mittelpunkt können zum Beispiel Geborgenheit, Fürsorge, Spielen, Regeln, Rituale oder das vorübergehende Ablegen von Verantwortung stehen.
Was dazugehört, ist individuell. Nicht jede Little möchte im Little Space sexuelle Berührungen oder Handlungen erleben.
Ageplay und Age Regression
Ageplay ist ein bewusst vereinbartes Rollenspiel unter Erwachsenen. Age Regression wird dagegen unterschiedlich verwendet, etwa für das subjektive Zurückfallen in jüngere Erlebens- oder Verhaltensweisen. In manchen Therapieformen wird außerdem mit Kind-Modi, früheren Erfahrungen oder dem „inneren Kind“ gearbeitet.
Das ist nicht automatisch dasselbe wie Ageplay. Ageplay ist auch kein Ersatz für eine Therapie.
Little Space
Little Space beschreibt einen Headspace, den manche Littles erleben: Alltagssorgen treten in den Hintergrund, während verspielte, fürsorgliche oder jünger empfundene Anteile stärker wahrgenommen werden.
Das bedeutet nicht automatisch, dass jemand willenlos oder nicht mehr entscheidungsfähig ist. Trotzdem sollte vorher geklärt werden, was in diesem Zustand erlaubt ist und ob sexuelle Handlungen gewünscht sind. Ist eine Person nicht mehr einwilligungsfähig, darf daraus keine neue Zustimmung abgeleitet werden. Ein Widerruf oder Abbruch muss immer beachtet werden.
Consent und Sicherheit
- Rollen, Anreden, Regeln und Handlungen vorher absprechen
- klären, ob das Spiel nichtsexuell, erotisch oder sexuell ist
- Grenzen sowie Safeword oder nonverbale Signale vereinbaren (siehe Konsens und Safewords)
- Beginn, Pausen und Ende des Rollenspiels besprechen
- gewünschte Aftercare für beide Seiten klären
- bekannte emotionale Trigger berücksichtigen
Altersrollen und Kindheitsthemen können starke Gefühle oder Erinnerungen auslösen. Bei wiederkehrender oder anhaltender Belastung kann professionelle psychologische Unterstützung sinnvoll sein.
Häufige Irrtümer
„Ageplay ist Pädophilie.“
Nein. Beim hier beschriebenen Ageplay spielen einwilligende Erwachsene fiktive Altersrollen. Daraus lässt sich keine sexuelle Anziehung zu realen Kindern ableiten. TASHRA fordert ausdrücklich, die Verknüpfung von Ageplay mit einer Anziehung zu Minderjährigen aufzugeben.
„Littles sind im Alltag unselbstständig.“
Nein. Eine Rolle sagt nichts darüber aus, wie selbstständig eine erwachsene Person außerhalb des Spiels lebt.
„Little Space ist immer sexuell.“
Nein. Für viele stehen Geborgenheit, Entlastung oder spielerische Aktivitäten im Mittelpunkt.
„Caregiver bedeutet automatisch Dom.“
Nein. Die Dynamik kann D/s enthalten, muss es aber nicht.