Kinks und Fetische: Eine Übersicht über die Vielfalt
Was ist ein Kink, was ein Fetisch, und wie hängt beides mit BDSM zusammen? Eine Übersicht über die großen Kategorien und die häufigsten Irrtümer.
„Kink“ ist ein Sammelbegriff für sexuelle Vorlieben, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen. BDSM ist ein Teil davon, aber längst nicht alles. Wichtig, wie der SMJG e.V. betont: Es gibt keine allgemein gültige Definition, wo genau BDSM beginnt, und keinen Zwang, irgendetwas zu tun, um als „echt“ zu gelten. Oder in den Worten der SMJG: „Die Welt des BDSM ist so vielfältig, wie die Menschen, die es betreiben.“
Kurz zur Einordnung:
- Kink: Oberbegriff für „nicht-normative“ Vorlieben.
- Fetisch: eine starke Erregung, die an ein bestimmtes Objekt, Material oder Körperteil geknüpft ist. Jeder Fetisch ist ein Kink, aber nicht jeder Kink ein Fetisch.
- BDSM: die Untergruppe rund um Fesseln, Macht und Schmerz. Mehr dazu in BDSM für Einsteiger.
Grobe Kategorien
Ein paar große Felder, damit man sich orientieren kann:
- Sensation/Schmerz: Impact (Schlagen), Wachs, Temperatur, Nadeln u. a.
- Bondage/Fesselung: Seile (Shibari), Handschellen, Mumifizierung.
- Macht: D/s, Service, Ownership, Erniedrigung. Mehr dazu in Die Ausprägungen von D/s.
- Rollenspiel: Petplay, Ageplay, Uniform- und Szenario-Spiele, CNC.
- Material- und Objektfetische: Latex, Leder, Nylon, Füße, Schuhe.
- Sinne: Deprivation (Augenbinde, Gehörschutz), Mindfuck.
- Körper/Funktion: Keuschhaltung, Orgasmuskontrolle.
Fast nie kommt eines allein vor, meist mischt man mehrere Elemente. Katharina Debus beschreibt in ihrer Artikelserie, dass die Buchstabenreihung BDSM genau das sichtbar machen soll: „dass verschiedene Lüste bzw. Vorlieben sich bei Menschen unterschiedlich zusammensetzen und Wahlfreiheit besteht, dass also keine*r das Gesamtpaket kaufen muss.“
Ein paar Grundgedanken
- Vielfalt ist der Normalfall. Die Liste ist unvollständig und wächst ständig.
- Vorliebe ≠ Identität. Für die einen ist Kink ein zentraler Teil ihrer selbst, für andere ein gelegentliches Spiel. Beides ist okay. Debus weist auch darauf hin, dass manche Menschen Kink gar nicht als sexuell erleben, sondern als etwas Drittes mit eigenen Qualitäten.
- Neugier ist erlaubt, Druck nicht. Etwas interessant zu finden, verpflichtet zu nichts.
- Ein Prinzip verbindet alles: Einvernehmlichkeit. Ohne Konsens ist es kein Kink, sondern ein Übergriff. Debus bringt es auf den Punkt: In BDSM-Szenen gilt, „dass all diese Handlungen nur als BDSM bzw. Kink zählen, wenn alle Beteiligten diese auch wollen.“ Wie Konsens konkret aussieht, erklären wir in Konsens und Safewords.
Häufige Irrtümer
„Man muss möglichst viel ausprobiert haben.“
Nein. Es geht um deine Vorlieben, nicht um eine Sammelkarte.
„Fetisch und Kink sind dasselbe.“
Nicht ganz: Ein Fetisch ist ein spezieller Fall von Kink.
„Ungewöhnliche Vorlieben sind krankhaft.“
Einvernehmliche Kinks gelten fachlich nicht als Störung. In der aktuellen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (ICD-11) sind „Sadomasochismus“ und „Fetischismus“ als eigenständige Diagnosen gestrichen. Eine Diagnose kommt bei einvernehmlichem Verhalten nur noch infrage, wenn eine Person selbst deutlich unter ihren Vorlieben leidet (und das nicht bloß, weil andere sie ablehnen) oder wenn die Praxis ein erhebliches Verletzungs- oder Lebensrisiko birgt.
Debus weist außerdem darauf hin, dass das Akronym BDSM eine Abgrenzung von der Pathologisierungsgeschichte des Begriffs Sadomasochismus darstellt, die auf den Psychiater Richard von Krafft-Ebing zurückgeht.
Quellen
- SMJG – Was ist BDSM?
- SMJG – Begriffe
- Katharina Debus – Sex, BDSM und Vanilla zwischen Konsens, Lustgewinn und Auseinandersetzung mit Gesellschaft (Artikelserie, 2023)
- Dissens – Glossar geschlechtliche und sexuelle Vielfalt
- WHO – ICD-11, 6D36: Paraphilic disorder involving solitary behaviour or consenting individuals